Geschichte

Der St. Afra-Klosterhof in Meißen ist seit 1992 Heimat der Evangelischen Akademie – dem Dom ist sie bereits seit ihrer Gründung 1949 verbunden.

Die Evangelischen Akademien in Deutschland sind Kinder der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: Nach 1945 setzten sich die evangelischen Kirchen mit ihrer eigenen Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinander und wollten mit neu gegründeten Akademien einen Beitrag zu einer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft leisten.

In Sachsen formulierte der Pfarrer und Schriftsteller Otto Riedel, der die Initiative zur Akademiegründung unterzeichnet hatte und zu den Vertretern der Bekennenden Kirche gehörte, den Anspruch so: Dass „zwischen Theologen und Gliedern anderer Berufsstände im gemeinsamen Hören auf Gottes Wort einmal verbindlich Klarheit über gegenwartsnahe und zukunftsträchtige Lebensfragen gesucht wird.“

Am Reformationstag im Jahre 1949 wurde die Evangelische Akademie in Meißen durch das Ehepaar Georg und Magdalena Muntschick offiziell ins Leben gerufen. Georg Muntschick war an diesem Tag von der sächsischen Landeskirche zum Domprediger und Direktor der Akademie berufen worden. Bis 1992 hatte sie ihren Sitz auf der Jüdenbergstraße in Meißen in Muntschicks Privathaus, das sie der Kirche zur Verfügung stellten.

Gegründet wurde die Akademie im Privathaus der Familie Muntschik am Meißener Jüdenberg.

„Sehr bald hatte das Ehepaar Muntschick sein Haus […] in ein gastfreundliches Refugium christlich-bürgerlicher Bildungskultur, seelsorgerlich heilsamer Atmosphäre und anregender Begegnung verwandelt“, heißt es in dem von Martha Friedenthal-Haase  herausgegebenen Buch „Evangelische Akademien in der DDR“. Nach außen hin trat die Akademie unter dem Druck der DDR-Diktatur möglichst unpolitisch auf. Die Tagungen wurden auch in den Räumen des Meißner Hochstifts durchgeführt, Gottesdienste im Dom und für Übernachtungen fanden sich Privatquartiere.

Beim Morgengesang mit Akademiedirektor Georg Muntschick um 1960.

Nach der Friedlichen Revolution zog die Evangelische Akademie 1992 in den Sankt-Afra-Klosterhof um (zu seiner Geschichte mehr hier). Er wurde von der sächsischen Landeskirche gekauft und zu einem Tagungshaus ausgebaut. Es war eine Erweiterung: räumlich – und vor allem auch inhaltlich. Es entstand eine Evangelische Akademie mit vier Studienbereichen für Religion, Politik, Kultur und Jugend in einer freiheitlichen Demokratie.

Propsteisaal im Klosterhof St. Afra.

Im Jahr 2020 geht sie nach einem Beschluss der sächsischen Landeskirche den nächsten Schritt und zieht mit ihrem Sitz in die Dresdner Dreikönigskirche – mit ihren Veranstaltungen will sie noch näher bei den Menschen und Debatten in Sachsen sein. Und zugleich ihren Wurzeln im Meißener St. Afra-Klosterhof mit Tagungen an diesem besonderen Ort treu bleiben.